Katholische und orthodoxe Ostern 2009 in Jerusalem
Zur Osterzeit habe ich die heilige Stadt Jerusalem besucht. Gemeinsam mit Pilgern aus aller Herren Länder bin ich zuerst am Karfreitag der westlichen Christenheit vom Löwentor die Via Dolorosa bis zur Grabeskirche gegangen. Wir kamen auf das Dach der Kirche und traten dann durch die Koptische Kirche hinaus auf den Platz vor dem Eingang. Die Türen der Grabeskirche waren geschlossen, aber niemand ging fort. Alles wartete, und ich wartete auch. Endlich richteten sich alle Blicke auf die Kirche, und ich sah, wie ein Mann auf einer Leiter auf das Kirchentor kletterte und den Riegel öffnete. Die Kirchentür tat sich auf, und heraus kamen Männer mit rotem Fez (es waren wohl die türkischen Wächter, Angehörige jener alten Familien, denen in osmanischer Zeit die Schlüsselgewalt zur Grabeskirche übertragen wurde). Ihnen folgten Mönche mit einem hohen Kreuz... Bald gelangten wir in die Kirche. Etwa zehn Meter vom Eingang lag darin eine steinerne Platte, vor der die Menschen niederknieten. Sie küßten sie und berührten sie mit ihren Kostbarkeiten - Ikonen, Ringen, Ohrringen... Das sei, so erfuhr ich, der Salbungsstein (Stein der Gnade), auf dem der Leib Christi vor der Grablegung gelegen hatte und mit einer wohlriechenden Mischung aus Myrrhe und Aloe gesalbt worden war. Über diesem Stein brannten acht ewige Lampen - entsprechend der Zahl der Kirchen, die in der Kirche vertreten sind. Eine Woche später, am Karsamstag nach Julianischem Kalender, also am 18. April, kam ich wieder nach Jerusalem, in der Hoffnung, die Grabeskirche bei der Herabkunft des Gnadenfeuers besuchen zu können. Ich besaß keinerlei besondere Papiere außer meinem Pass, wollte es aber doch versuchen. Viertel vor sieben betrat ich die Altstadt durch das Jaffator. Der Weg zur Grabeskirche führt durch das muslimische Viertel, und die Polizei ließ nur Gruppen von Geistlichen und akkreditierte Journalisten passieren. Ich musste warten. Erst nach dreieinhalb Stunden wurden alle durch die Sperre gelassen. Ich kam zur Kirche und sah, dass dort Passierscheine kontrolliert wurden. Aber gerade in dem Augenblick, als ich den Eingang erreichte, wurde der Sicherheitsmann von einem Polizisten beiseite gerufen, und ich fand mich in der Kirche wieder! Man führte mich mit den anderen Pilgern in die unterirdische Kirche, die dem heiligen Gregor dem Erleuchter, dem Apostel der Armenier, geweiht ist; dieser Teil der Grabeskirche gehört der Armenischen Apostolischen Kirche. Es war Viertel vor zwölf. Noch zwei Stunden sehnsüchtiger Erwartung. Ich begann, die auf das Wunder wartenden Pilger zu fotografieren. Genau um 2 Uhr läuteten die Glocken, alles drängte auf die Treppe. Und das Gnadenfeuer kam herab...